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DIN EN 1090 – Schweißtechnik im Stahl- und Metallbau

Aktualisiert am 09.03.2026
Autor

Gabor Szabo

Schweißfachingenieur (IWE/EWE)

DIN EN 1090 Schweißtechnik

Wer tragende Bauteile oder Bausätze aus Stahl oder Aluminium herstellt, vom Hallenrahmen über Treppen und Geländer bis zu Brückenelementen, kommt an der DIN EN 1090 Zertifizierung nicht vorbei. Die Norm ist europaweit verpflichtend und bildet das Regelwerk, das Qualität, Sicherheit und Konformität solcher Bauprodukte sicherstellt.

Sie ist damit nicht nur ein technischer Leitfaden, sondern im Zusammenhang mit der Bauproduktenverordnung (305/2011) die Eintrittskarte in den europäischen Markt: Ohne nachweislich normgerechte Prozesse gibt es kein CE-Zeichen, und ohne CE-Zeichen dürfen die Produkte nicht in Verkehr gebracht werden. Für Betriebe bedeutet das: Die EN 1090 ist Pflichtprogramm und Wettbewerbsfaktor zugleich. Sie schützt vor Haftungsrisiken, schafft Vertrauen bei Auftraggebern und macht Lieferketten auditfest.

In der Praxis entscheidet die Schweißnaht über die Zuverlässigkeit eines Bauteils, denn hier bündeln sich Lasten und es entstehen im Fehlerfall die größten Risiken. Entsprechend verlangt die DIN EN 1090 qualifizierte Schweißer, geprüfte Schweißverfahren (WPS/WPQR), eine konsequente Materialrückverfolgbarkeit sowie Sicht- und Prüfungen der Schweißverbindungen. Sie verzahnt sich eng mit DIN EN ISO 3834 (Qualitätsanforderungen beim Schweißen) und macht die Schweißtechnik zum Kern der werkseigenen Produktionskontrolle (WPK): Nur wer Prozesse beherrscht, dokumentiert und regelmäßig überwachen lässt, erfüllt die Norm und produziert dauerhaft sicher.

Die Leistungserklärung und CE-Kennzeichnung ist direkt an die Umsetzung der DIN EN 1090 gebunden. Erst wenn ein Betrieb seine Konformität über die WPK und eine Zertifizierung durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle nachweist, darf er CE-kennzeichnen. Dabei erfolgt die Qualifizierung durch eine Erstinspektion / Erstprüfung, bei der der Auditor die Normkonforme Herstellung anhand eines Bauteils beurteilt.

Was ist die DIN EN 1090?

Die Normenreihe der DIN EN 1090 ist das zentrale europäische Regelwerk für tragende Stahl- und Aluminiumkonstruktionen. Sie definiert, wie solche Bauteile konstruiert, hergestellt und geprüft werden müssen, und wie Betriebe ihre Konformität organisieren (WPK) und nach außen durch eine Konformitätserklärung belegen. Inhaltlich gliedert sich die Normenreihe in:

Damit schafft die Norm die Brücke zwischen technischen Anforderungen im Betrieb und den Marktzugangsregeln in der EU. Mit der Einführung der harmonisierten Norm EN 1090 wurden frühere nationale Normen, in Deutschland insbesondere die DIN 18800, abgelöst und eine einheitliche Rechtssicherheit geschaffen. Statt eines Flickenteppichs nationaler Vorgaben gibt es heute harmonisierte, europaweit einheitliche Standards.

Was sind Anforderungen der DIN EN 1090 and Hersteller?

Die DIN EN 1090 deckt den gesamten Lebenszyklus tragender Bauteile ab – von der Planung über die Fertigung bis zur Abnahme. Für die Konstruktion schreibt sie vor, dass bereits in der Planungsphase bestimmte Ausführungsregeln eingehalten werden müssen. In der Herstellung legt sie Standards für Arbeitsprozesse wie Schweißen, Bohren, Schneiden oder Oberflächenbehandlung fest.

Ein Herzstück der Norm ist die Werkseigene Produktionskontrolle (WPK). Dabei handelt es sich um ein betriebliches Qualitätssicherungssystem, das sicherstellt, dass alle Prozesse vom Wareneingang bis zur Endkontrolle kontinuierlich überwacht und dokumentiert werden. Die WPK verlangt unter anderem klar definierte Abläufe, Verantwortlichkeiten, Prüfpläne und Rückverfolgbarkeit.

Vier Ausführungsklassen (EXC1–EXC4) und ihre Bedeutung

Die Norm unterscheidet vier sogenannte Execution Classes (EXC1–EXC4), die den Umfang der Anforderungen bestimmen. Je höher die Klasse, desto höher die Anforderungen an die Produktionskontrolle und desto strenger die Überprüfung durch die Zertifizierungsstelle:

  • EXC1: Einfache, wenig sicherheitsrelevante Konstruktionen (z. B. kleine Geländer).
  • EXC2: Standardklasse, in der die meisten Bauprojekte wie Hallen- oder Treppenbau eingeordnet werden.
  • EXC3: Höhere Sicherheitsanforderungen, etwa bei Brücken oder öffentlichen Gebäuden.
  • EXC4: Höchste Klasse, z. B. für sicherheitskritische Infrastrukturen wie Kraftwerke.

Welche Bedeutung spielt die Schweißtechnik in der DIN EN 1090 für Unternehmen?

Schweißen ist einer der kritischsten Prozesse im Stahl- und Metallbau. Deshalb verlangt die DIN EN 1090, dass alle Schweißer entsprechend geprüft und zertifiziert sind. Nur mit gültigen Qualifikationsnachweisen (z. B. nach ISO 9606) dürfen sie tragende Verbindungen herstellen. Auch Schweißaufsichtspersonen müssen über eine entsprechende Ausbildung verfügen.

Die Qualität einer Schweißnaht entscheidet über die Stabilität des gesamten Bauteils. Deshalb schreibt die Norm umfangreiche Kontrollmaßnahmen vor: von einfachen Sichtprüfungen über magnetpulver- oder ultraschallgestützte Verfahren bis hin zu Röntgenuntersuchungen.

Parallelen zur DIN EN ISO 3834

Die Anforderungen der DIN EN 1090 im Bereich Schweißen sind eng mit denen der DIN EN ISO 3834 verzahnt. Diese Norm beschreibt detailliert die Qualitätssicherungsmaßnahmen beim Schweißen. Während die DIN EN 1090 den rechtlichen Rahmen vorgibt, liefert die ISO 3834 die technischen Leitplanken.

Schritt für Schritt gemeinsam zur Zertifizierung nach EN 1090

Die Zertifizierung nach DIN EN 1090 klingt für viele Metallbaubetriebe zunächst nach einer bürokratischen Hürde. In Wahrheit ist sie jedoch ein klar strukturierter Prozess. Und genau hier setzen wir an: Wir sind darauf spezialisiert, Unternehmen Schritt für Schritt einen effizienten Zertifizierungsprozess zu ermöglichen.

Zu Beginn stellen wir uns die Frage: Wo stehen wir? In einem ersten Schritt wird der Ist-Zustand in ihrem Betrieb analysiert. Dabei überprüfen wir die vorhandenen Prozesse und vorliegende Dokumente. Im Detail liegt der Fokus auf Verfahrensanweisungen, Prozesseinweisungen und Arbeitsgrundlagen (WPS, WPQR, VT Protokolle). Durch diese Basis lassen sich die Lücken zur Normkonformität identifizieren und konkrete Maßnahmen ableiten.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ) zur DIN EN 1090


Alle Betriebe, die tragende Bauteile oder Bausätze aus Stahl oder Aluminium im Bauwesen herstellen oder in Verkehr bringen wollen, müssen die Norm erfüllen. Dazu zählen sowohl große Stahlbauunternehmen als auch kleinere Metallbaubetriebe, die z. B. Treppen, Geländer oder Hallenkonstruktionen fertigen. Sobald ein Bauteil unter die europäische Bauproduktenverordnung fällt, kommt die Norm zu tragen.

Ja. Die Norm gilt grundsätzlich für alle tragenden Bauteile. Allerdings hängt der Umfang der Anforderungen von der Ausführungsklasse (EXC1 bis EXC4) ab. Während für ein einfaches Geländer geringere Nachweise genügen, gelten bei Brücken oder öffentlichen Gebäuden deutlich strengere Vorgaben.

Die Schweißtechnik ist zentral. Die Norm verlangt geprüfte Schweißer, validierte Schweißverfahren (WPS/WPQR) sowie regelmäßige zerstörungsfreie Prüfungen und Dokumentationen der Schweißnähte. Ohne diese Nachweise ist eine Zertifizierung nicht möglich.

Die Zertifizierung nach DIN EN 1090 ermöglicht es Unternehmen, tragende Bauteile aus Stahl- und Aluminium rechtssicher als Bauprodukt in Verkehr zu bringen. Erst mit einer gültigen Zertifizierung dürfen entsprechende Bauteile mit einer CE-Kennzeichnung versehen und auf dem europäischen Markt angeboten werden. Darüber hinaus stärkt die Zertifizierung das Vertrauen von Auftraggebern, Planern und Bauherren, da sie nachweist, dass die Fertigung unter einer kontrollierten Qualitätssicherung erfolgt und die Produktionskontrolle eingehalten wird. Für viele Projekte im Stahl- und Metallbau ist die EN-1090-Zertifizierung zudem eine grundlegende Voraussetzung, um überhaupt an Ausschreibungen teilnehmen zu können.

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