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Ausführungsklasse nach DIN EN 1090: EXC1 bis EXC4 richtig wählen

Veröffentlicht am 24.03.2026
Autor

Gabor Szabo

Schweißfachingenieur (IWE/EWE)

EN 1090 Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4

Die falsche EXC kann Sie Aufträge kosten

Der Auftrag ist eigentlich sicher. Angebot abgegeben, Preis passt, Kunde überzeugt. Doch dann kommt die Rückmeldung: „Leider erfüllen Sie nicht die geforderte Ausführungsklasse.“

Oder das Gegenteil: Sie zertifizieren sich vorsorglich auf eine höhere Klasse, investieren in Personal, Prüfungen, Dokumentation und merken Monate später, dass Sie für Ihre Projekte völlig überdimensioniert aufgestellt sind. Zu teuer, zu komplex, zu viel Aufwand für das, was Sie tatsächlich bauen. Genau hier liegt das eigentliche Problem: Die Wahl der falschen Ausführungsklasse kostet entweder Aufträge oder Marge.

Die entscheidende Frage lautet also nicht: Brauche ich eine EN 1090 Zertifizierung? Sondern: Welche Ausführungsklasse brauche ich wirklich und welche ist wirtschaftlich sinnvoll?

Dieser Leitfaden gibt Ihnen darauf eine klare, systematische Antwort. Sie erfahren, wie sich EXC1 bis EXC4 unterscheiden, nach welchen Kriterien die richtige Klasse bestimmt wird und vor allem, welche Ausführungsklasse zu Ihrem Unternehmen passt.

Was hinter der Reihe der DIN EN 1090 wirklich steckt

Die DIN EN 1090 ist keine Formalität. Sie ist die Eintrittskarte in den europäischen Markt zur Herstellung von tragenden Stahl- und Aluminiumbauteilen. Genauer gesagt regelt die EN 1090-1 die sogenannte werkseigene Produktionskontrolle (WPK) und bildet die Grundlage für die CE-Kennzeichnung. Ohne diese Struktur im Hintergrund gibt es kein gültiges Inverkehrbringen Ihrer Bauteile. Erfahren Sie mehr über die EN 1090 Zertifizierung.

Die technischen Regeln selbst werden in der EN 1090-2 (für Stahl) und EN 1090-3 (für Aluminium) definiert. Hier wird festgelegt auf welchem Qualitäts- und Sicherheitsniveau gefertigt wird und die schriftliche Dokumentation definiert. Genau an dieser Stelle kommen die Ausführungsklassen EXC1 bis EXC4 ins Spiel.

Die zentrale Realität, die viele unterschätzen: Ohne EN 1090 Zertifizierung dürfen tragende Bauteile im Bauwesen nicht legal mit CE-Kennzeichnung in Verkehr gebracht werden. Punkt.

Doch damit beginnt erst die eigentliche Herausforderung. Denn die Frage ist nicht, ob Sie zertifiziert sein müssen – sondern in welcher Ausführungsklasse.

Die Ausführungsklassen EXC1–EXC4 einfach erklärt

Die Ausführungsklasse beschreibt im Kern, wie streng geplant, gefertigt und geprüft werden muss. Mit jeder Stufe steigen die Anforderungen – und damit auch Aufwand, Kosten und Verantwortung. Wer die Unterschiede versteht, kann sein Unternehmen sauber positionieren.

EXC1 – Einfach, aber begrenzt

EXC1 steht für das unterste Anforderungsniveau. Hier geht es um Bauteile mit geringer Komplexität und niedrigen Risiken, bei denen ein Versagen überschaubare Folgen hätte. Typische Beispiele sind einfache Geländer, Treppen oder kleinere Konstruktionen in Bereichen mit geringer Nutzung.

Die Anforderungen an Dokumentation, Prüfungen und Fertigung sind reduziert. Das macht EXC1 attraktiv für kleinere Betriebe – gleichzeitig ist der Einsatzbereich klar begrenzt. Wer wachsen oder komplexere Projekte bedienen will, stößt hier schnell an Grenzen.

EXC2 – Der Standard im Stahlbau

EXC2 ist der Normalfall im Bauwesen. Die meisten Gebäude, Hallen und klassischen Stahlbaukonstruktionen fallen in diese Kategorie. In vielen Regelwerken gilt sogar: Wenn nichts anderes festgelegt ist, wird automatisch EXC2 angesetzt.

Für Unternehmen bedeutet das: Mit EXC2 bewegen Sie sich genau dort, wo der Großteil des Marktes stattfindet. Die Anforderungen sind deutlich höher als bei EXC1, aber noch gut beherrschbar. Genau deshalb gilt EXC2 als wirtschaftlicher Sweet Spot. Ausreichend anspruchsvoll für die meisten Projekte, ohne unnötig hohe Komplexität.

EXC3 – Wenn es wirklich kritisch wird

Sobald Bauteile hohen Belastungen ausgesetzt sind oder viele Menschen betroffen sein könnten, kommt EXC3 ins Spiel. Typische Beispiele sind Brücken, größere Industrieanlagen oder komplexe Tragwerke im öffentlichen Raum.

Hier steigen die Anforderungen spürbar: bessere Schweißnahtqualität, intensivere zerstörungsfreie Prüfungen, strengere Dokumentation und höher qualifiziertes Personal. EXC3 ist kein „Upgrade“, das man nebenbei mitnimmt, sondern ein klarer Schritt in Richtung anspruchsvoller Projekte und größerer Qualifizierung. Oft ist hierbei auch eine Zertifizierung nach ISO 3834-2 erforderlich.

3.4 EXC4 – Die Ausnahme für Spezialfälle

EXC4 bildet die Spitze der Anforderungen. Diese Klasse ist für Bauwerke gedacht, bei denen ein Versagen extreme oder sogar katastrophale Folgen hätte. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Nachweise, Prüfungen und Qualifikation.

In der Praxis spielt EXC4 nur für wenige, hoch spezialisierte Unternehmen eine Rolle. Für den klassischen Stahl- und Metallbau ist sie selten relevant und wird meist explizit durch Auftraggeber oder nationale Regelungen vorgegeben.

Der entscheidende Punkt: Wie wird die richtige EXC bestimmt?

Die Wahl der Ausführungsklasse ist kein Bauchgefühl und auch keine reine Erfahrungsfrage. Sie folgt einem klaren, normativ beschriebenen System. Wer dieses System versteht, erkennt schnell, warum viele Projekte automatisch in EXC2 landen und wann höhere Klassen wirklich notwendig sind. Sobald ein Bauteil unter die europäische Bauproduktenverordnung fällt, findet die EN1090 Anwendung und somit auch eine Einstufung statt.

Schritt 1: Schadensfolgeklasse (CC)

Am Anfang steht die Frage: Was passiert, wenn das Bauteil versagt? Dabei werden Risiken für Menschenleben, wirtschaftliche Schäden und Umweltauswirkungen bewertet. Diese Einordnung bildet die Grundlage für alles Weitere.

Schritt 2: Service Category (SC)

Im nächsten Schritt wird betrachtet, welchen Belastungen das Bauteil ausgesetzt ist. Geht es um überwiegend statische Lasten oder um dynamische Beanspruchung, Ermüdung oder besondere Einwirkungen? Je komplexer und intensiver die Beanspruchung, desto höher steigen die Anforderungen an die Ausführung.

Schritt 3: Production Category (PC)

Jetzt rückt die Fertigung selbst in den Fokus. Wie komplex ist die Herstellung? Handelt es sich um einfache, wiederholbare Prozesse – oder um anspruchsvolle Details mit hohen Anforderungen an Präzision und Ausführung?

Schritt 4: Ableitung der EXC

Erst aus der Kombination von Schadensfolgeklasse, Beanspruchung und Fertigungskomplexität ergibt sich die passende Ausführungsklasse. In den meisten Fällen führt diese Bewertung zu EXC2. EXC3 wird gezielt für anspruchsvollere Projekte benötigt, während EXC4 die absolute Ausnahme bleibt. Eine saubere Prozessführung wird hierbei durch ein Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 unterstützt.

Achtung: Die Bestimmungsregeln haben sich geändert

An dieser Stelle arbeiten viele Ratgeber im Netz mit einem Stand, den es so nicht mehr gibt. Bis zur Fassung von 2018 enthielt die DIN EN 1090-2 einen informativen Anhang B, der die Bestimmung der Ausführungsklasse beschrieb. Auf dessen Tabellen wird bis heute verwiesen, häufig sogar mit konkreter Tabellennummer.

Mit der aktuellen Fassung DIN EN 1090-2:2024-09 ist dieser Anhang B ersatzlos entfallen. Die normativen Anforderungen an die Auswahl der Ausführungsklasse sind in die DIN EN 1993-1-1:2005/A1:2014, Anhang C, übernommen worden. Die DIN EN 1090-2 verweist in Abschnitt 4.1.2 nur noch darauf.

Für die Praxis heißt das zweierlei. Erstens: Wer heute eine Ausführungsklasse begründen muss, etwa gegenüber einem Auftraggeber oder im Audit, zitiert die falsche Norm, wenn er sich auf den alten Anhang B stützt. Zweitens: Die Systematik aus Schadensfolgeklasse, Beanspruchungskategorie und Herstellkategorie gilt inhaltlich weiter, sie steht nur an anderer Stelle.

Ein zweiter Punkt betrifft speziell die niedrigste Klasse. Der Anwendungsbereich von EXC1 kann durch nationale Bestimmungen eingeschränkt sein, ebenfalls geregelt über die DIN EN 1993-1-1, Anhang C. Wer also plant, sich mit EXC1 zu begnügen, sollte das nicht allein aus der DIN EN 1090-2 ableiten.

Wer legt die Ausführungsklasse eigentlich fest?

Nicht der ausführende Betrieb. Die Ausführungsunterlagen müssen die relevante Ausführungsklasse spezifizieren, das ist Sache des Auftraggebers oder des Tragwerksplaners. Fehlt die Angabe, gilt in der Praxis EXC2 als Rückfallebene. Für Sie als Hersteller ist die Klasse damit eine Vorgabe, auf die Sie Ihren Betrieb ausrichten müssen, keine freie Wahl.

Welche EXC passt zu Ihrem Unternehmen? (Praxis-Check)

Die entscheidende Frage, die Sie sich stellen sollten, ist: Wo stehen Sie als Unternehmen? Genau hier trennt sich Praxis von Normtext.

EXC1 passt zu Betrieben, die sich auf einfache, überschaubare Konstruktionen konzentrieren. Typischerweise kleinere Metallbauer oder Schlossereien, die Geländer, Treppen oder kleinere tragende Bauteile fertigen. Der Vorteil liegt auf der Hand: geringerer Aufwand bei Dokumentation, Prüfungen und Organisation. Doch dieser Vorteil hat eine klare Grenze. Der Marktzugang ist eingeschränkt.

Für die meisten Unternehmen im Stahl- und Metallbau ist EXC2 genau die richtige Wahl. Wer Hallen, Gewerbebauten, Standardkonstruktionen oder typische Tragwerke fertigt, bewegt sich in diesem Bereich. Mit EXC2 decken Sie einen großen Teil des Marktes ab, ohne sich organisatorisch zu überfordern.

EXC3 ist der Schritt in eine andere Liga. Hier geht es um Projekte im Bereich Infrastruktur, Industrieanlagen oder komplexe Tragwerke. Unternehmen, die sich hier positionieren, brauchen tiefes schweißtechnisches Know-how. Oft ist hier die Unterstützung durch eine externe Schweißaufsicht unumgänglich.

EXC4 ist die Ausnahme. Sie betrifft Bauwerke mit extremen Anforderungen und entsprechend hohen Risiken. Wer sich hier bewegt, ist bereits hoch spezialisiert.

EXC2 Anforderungen: Was Ihr Betrieb konkret erfüllen muss

EXC2 ist die Klasse, in der sich der weit überwiegende Teil aller Metall- und Stahlbaubetriebe wiederfindet. Die Anforderungen sind klar umrissen und für einen gut organisierten Betrieb erreichbar, aber sie sind kein Selbstläufer.

Qualitätsanforderungen an das Schweißen. Für EXC2 gilt die DIN EN ISO 3834-3, die Standard-Qualitätsanforderungen. Das ist die mittlere von drei Stufen und verlangt unter anderem eine geregelte Fertigungsplanung, dokumentierte Schweißanweisungen und einen nachweisbaren Umgang mit Zusatzwerkstoffen. Was das im Einzelnen bedeutet, haben wir im Beitrag zu den schweißtechnischen Qualitätsanforderungen nach DIN EN ISO 3834 aufgeschlüsselt.

Schweißaufsicht. Hier lohnt ein genauer Blick, denn die verbreitete Formel „EXC2 gleich Schweißfachmann" greift zu kurz. Die DIN EN 1090-2 fordert in Abschnitt 7.4.3 technische Kenntnisse nach Tabelle 14 für Baustähle beziehungsweise Tabelle 15 für nichtrostende Stähle. Die geforderte Stufe hängt von drei Größen ab: der Ausführungsklasse, der Stahlsorte und der Erzeugnisdicke.

Geforderte Kenntnisstufe der Schweißaufsicht für Baustähle, sinngemäß nach DIN EN 1090-2:2024-09, Tabelle 14. B, S und C entsprechen den technischen Basiskenntnissen, den speziellen und den umfassenden technischen Kenntnissen nach DIN EN ISO 14731. Für hochfeste Stähle und für einzelne Erzeugnisformen gelten Sonderregelungen.
Ausführungsklasse Stahlsorte t ≤ 25 mm 25 < t ≤ 50 mm t > 50 mm
EXC2 S235 bis S355 B S C
S420 bis S700 S C C
EXC3 S235 bis S355 S C C
S420 bis S700 C C C
EXC4 alle C C C

Praktisch bedeutet das: Ein Betrieb in EXC2, der Bauteile aus S355 bis 25 Millimeter fertigt, kommt mit Basiskenntnissen aus. Derselbe Betrieb braucht bei S460 bereits die nächste Stufe, und ab 50 Millimeter Dicke die höchste. Wer seine Produktpalette erweitert, verschiebt damit unbemerkt auch die Anforderung an sein Aufsichtspersonal.

Für viele kleinere Betriebe rechnet sich dafür keine eigene Vollzeitstelle. Die Norm lässt ausdrücklich zu, diese Funktion extern zu besetzen. Wie eine externe Schweißaufsicht in der Praxis eingebunden wird, welche Aufgaben sie übernimmt und wo die Verantwortung liegt, beschreibt unser Beitrag zu den Aufgaben der Schweißaufsicht nach DIN EN ISO 14731.

Rückverfolgbarkeit. Ab EXC2 müssen Bauteile gekennzeichnet und rückverfolgbar sein. Für EXC2 genügt die Rückverfolgbarkeit durch Kennzeichnung, sie muss also nicht lückenlos über den gesamten Weg dokumentiert sein. Das ist der wesentliche Unterschied zu EXC3.

Schweißverfahren und Personal. Die Qualifizierung der Schweißverfahren richtet sich nach Tabelle 12 der DIN EN 1090-2, für Schweißer und Bediener gilt der Verweis auf die DIN EN ISO 3834-3. Belassene Fertigungsbeschichtungen sind ab EXC2 nicht mehr zulässig, außer sie wurden geprüft.

EXC3 Anforderungen: Der Sprung, den viele unterschätzen

Zwischen EXC2 und EXC3 liegt der größte Abstand der gesamten Reihe. Wer von der einen in die andere Klasse wechselt, ändert nicht einzelne Details, sondern die Grundlage seines gesamten Qualitätssystems.

Der eigentliche Sprung liegt bei der DIN EN ISO 3834. Für EXC3 gilt nicht mehr Teil 3, sondern Teil 2 mit den umfassenden Qualitätsanforderungen. Das betrifft die Fertigungsplanung, die Prüfmittelüberwachung, die Behandlung von Abweichungen und die gesamte Dokumentationstiefe. Für EXC4 gilt derselbe Teil 2, ergänzt um projektspezifische Anforderungen.

Rückverfolgbarkeit wird lückenlos. Ab EXC3 reicht die Kennzeichnung nicht mehr aus. Gefordert ist die Rückverfolgbarkeit von der Lieferung bis zur Übergabe, also eine durchgehende Kette vom Werkstoffzeugnis bis zum eingebauten Bauteil. In der Praxis ist das der Punkt, an dem Betriebe ihre Dokumentation grundlegend umstellen müssen. Wie eine belastbare werkseigene Produktionskontrolle dafür aufgebaut wird, haben wir gesondert beschrieben.

Der Prüfumfang verdoppelt sich in weiten Teilen. Die ergänzende zerstörungsfreie Prüfung ist in Tabelle 24 der DIN EN 1090-2 nach Nahtart gestaffelt.

Umfang der routinemäßigen ergänzenden zerstörungsfreien Prüfung, sinngemäß nach DIN EN 1090-2:2024-09, Tabelle 24. Bei EXC4 muss der Umfang mindestens dem von EXC3 entsprechen. Für Nähte in Stählen ab S420 gelten in einzelnen Zeilen abweichende Werte. a bezeichnet die Kehlnahtdicke, t den dicksten verbundenen Grundwerkstoff.
Schweißnahtart EXC1 EXC2 EXC3
Querverlaufende Stumpfnähte in Stumpfstößen 0 % 10 % 20 %
Querverlaufende Stumpfnähte in Doppel-T-Stößen 0 % 10 % 20 %
Querverlaufende Stumpfnähte in T-Stößen 0 % 5 % 10 %
Querverlaufende Kehlnähte, a > 12 mm oder t > 30 mm 0 % 5 % 10 %
Querverlaufende Kehlnähte, a ≤ 12 mm und t ≤ 30 mm 0 % 0 % 5 %
Durchgeschweißte Längsnähte Steg zu Obergurt bei Kranbahnträgern 0 % 10 % 20 %
Andere Längsnähte, Nähte angeschweißter Steifen, druckbeanspruchte Nähte 0 % 0 % 5 %
Zwei Details, die bares Geld wert sind

Die Prozentsätze beziehen sich nicht auf das einzelne Bauteil, sondern auf die laufende Schweißnahtfertigung über einen Zeitraum von einem Jahr. Das entlastet die Kalkulation im Einzelauftrag spürbar.

Und: Wenn die Prüfungen über längere Zeit durchgehend annehmbare Ergebnisse liefern, darf die zuständige Schweißaufsicht den Umfang unter die Werte der Tabelle senken. Voraussetzung ist ein dokumentiertes Programm mit fertigungsbegleitenden Probeschweißungen im Abstand von drei Monaten. Wer das sauber aufsetzt, spart dauerhaft Prüfkosten.

Was sich mit steigender EXC konkret verändert

Mit jeder höheren Ausführungsklasse steigt nicht nur der Anspruch, sondern es verändert sich die gesamte Arbeitsweise im Unternehmen. Ein zentraler Punkt ist das Personal. Mit steigender EXC wachsen die Anforderungen an die Schweißaufsicht und Qualifikation der Mitarbeiter. Während in EXC1 und EXC2 oft ein Schweißfachmann ausreicht, sind in höheren Klassen deutlich umfassendere Kompetenzen gefragt.

Übersicht der wichtigsten von der Ausführungsklasse abhängigen Anforderungen, sinngemäß nach DIN EN 1090-2:2024-09, Abschnitt A.3. Die vollständige Auflistung enthält die Norm.
Anforderung EXC1 EXC2 EXC3 EXC4
Qualitätsanforderungen Schweißen DIN EN ISO 3834-4 DIN EN ISO 3834-3 DIN EN ISO 3834-2 DIN EN ISO 3834-2
Schweißaufsicht hinreichende Aufsicht Kenntnisse nach Tabelle 14 bzw. 15 Kenntnisse nach Tabelle 14 bzw. 15 Kenntnisse nach Tabelle 14 bzw. 15
Kennzeichnung der Bauteile nein ja ja ja
Rückverfolgbarkeit keine Anforderung durch Kennzeichnung von der Lieferung bis zur Übergabe von der Lieferung bis zur Übergabe
Qualifizierung der Schweißverfahren nein nach Tabelle 12 nach Tabelle 12 nach Tabelle 12
Belassene Fertigungsbeschichtungen keine Anforderung nur wenn geprüft nur wenn geprüft nur wenn geprüft
Ergänzende zerstörungsfreie Prüfung 0 % 0 bis 10 % 5 bis 20 % mindestens wie EXC3

Auch der Prüfaufwand nimmt spürbar zu. Sichtprüfungen (VT) reichen irgendwann nicht mehr aus. Verfahren wie Magnetpulverprüfung (MT) oder Ultraschallprüfung (UT) werden häufiger und systematischer eingesetzt. Parallel dazu wächst die Dokumentation. Prozesse müssen detaillierter beschrieben, Prüfungen sauber nachgewiesen und Ergebnisse lückenlos festgehalten werden.

Zertifizierung nach EN 1090: Was Ihr Unternehmen erfüllen muss

Im Zentrum steht die werkseigene Produktionskontrolle (WPK). Sie bildet das Rückgrat der gesamten Zertifizierung. Hier wird festgelegt, wie Sie fertigen, prüfen, dokumentieren und sicherstellen, dass jedes Bauteil den Anforderungen entspricht. Ohne funktionierende WPK gibt es keine Zertifizierung.

Ein weiterer Schlüsselbereich ist das Schweißpersonal und die Schweißaufsicht. Qualifikation ist hier Pflicht. Je nach Ausführungsklasse steigen die Anforderungen an die Schweißaufsichtspersonen (z.B. ein Schweißfachingenieur, kurz IWE).

Dazu kommen die Schweißverfahren selbst. Diese müssen qualifiziert sein mit einer Verfahrensprüfung (WPQR) und in Form von Schweißanweisungen (WPS) klar definiert sein. Sie müssen nachweisen, dass Sie geprüfte Schweißer einsetzen (z.B. Schweißerprüfungen nach ISO 9606-1).

Die häufigste Fehlentscheidung (und wie Sie sie vermeiden)

In der Praxis sehen wir immer wieder zwei typische Fehler. Unternehmen wählen eine zu niedrige Ausführungsklasse und verlieren Aufträge. Oder sie wählen eine zu hohe Klasse und ersticken in Kosten und Bürokratie. Die Wahl der richtigen EXC ist eine strategische Entscheidung. Sie bestimmt, in welchen Märkten Sie spielen und wie effizient Ihr Unternehmen arbeitet.

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Häufige Fragen zur EN 1090 Ausführungsklasse


Ja und Nein. Ein Unternehmen kann keine zwei Zertifikate für zwei Ausführungsklassen haben. Jedoch deckt man z.B. mit einer Zertifizierung nach EXC3 auch 1 und 2 ab.

Ja, eine Erweiterung der Zertifizierung ist möglich. Allerdings bedeutet das zusätzlichen Aufwand: höhere Anforderungen an Personal, Verfahren, Prüfungen und Dokumentation.

Durch eine lückenlose Dokumentation und regelmäßige Prüfungen. Dazu gehören z. B. Prüfprotokolle, Materialzeugnisse, Schweißdokumentationen sowie qualifizierte Schweißverfahren (WPS/WPQR).

Ja. Die Ausführungsklasse (EXC) bestimmt indirekt, welche Anforderungen aus der DIN EN ISO 3834 erfüllt werden müssen. EXC1 → ISO 3834-4, EXC2 → ISO 3834-3, EXC3/4 → ISO 3834-2.

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