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Wie bekomme ich eine Zertifizierung für mein Unternehmen? - Der komplette Leitfaden

Veröffentlicht am 14.03.2026
Autor

Marco Benz

Zertifizierungsprozess für Unternehmen

Viele Unternehmen stehen früher oder später vor der gleichen Frage: Wie kann ich mein Unternehmen zertifizieren lassen und mich von Wettbewerber hervorheben? In vielen Branchen ist eine Zertifizierung heute Voraussetzung, um Aufträge und Anerkennung zu erhalten, sowie neue Märkte zu erschließen oder gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. Besonders häufig geht es dabei um Standards wie ISO 9001, EN 1090 oder ISO 3834. Der Ablauf einer Zertifizierung folgt dabei einem klar strukturierten Prozess – von der Analyse der Anforderungen über den Aufbau eines Managementsystems bis zum eigentlichen Zertifizierungsaudit. In diesem Leitfaden erfahren Sie Schritt für Schritt, wie der Zertifizierungsprozess für Unternehmen funktioniert und worauf Sie dabei achten müssen.

Schritt 1: Analyse & Definition – Welche ISO Zertifizierung braucht Ihr Unternehmen?

Bevor Sie Ihr Unternehmen zertifizieren lassen, müssen zunächst zwei grundlegende Fragen geklärt werden: Welche Norm ist relevant und welcher Bereich des Unternehmens soll zertifiziert werden? Die Zertifizierungsanforderungen in der Industrie unterscheiden sich je nach Branche, Produkt und gesetzlichen Vorgaben. Eine saubere Analyse bildet deshalb die Grundlage für den gesamten Zertifizierung Unternehmen Ablauf.

Der erste Schritt besteht darin zu prüfen, welche Zertifizierung Ihr Unternehmen benötigt. In vielen Branchen gibt es etablierte Normen, die bestimmte Qualitäts-, Sicherheits- oder Produktionsanforderungen definieren. Typische Beispiele sind:

Welche Norm relevant ist, hängt vor allem von der Komplexität der hergestellten Produkte, Kundenanforderungen und gesetzlichen Vorschriften ab.

Neben der Auswahl der richtigen Norm muss auch der Zertifizierungsumfang klar definiert werden. Dieser legt fest, welche Teile des Unternehmens zertifiziert werden. Dazu gehören beispielsweise: welche Standorte in die Zertifizierung einbezogen werden, welche Produkte betroffen sind und welche Prozesse oder Fertigungsbereiche bewertet werden.

Schritt 2: Ist-Analyse & Gap-Analyse – Wo steht Ihr Unternehmen aktuell?

Nachdem festgelegt wurde, welche Norm für Ihr Unternehmen relevant ist, folgt der nächste Schritt im Zertifizierung Unternehmen Ablauf: die Ist-Analyse. Ziel ist es zu prüfen, inwieweit bestehende Prozesse bereits den Anforderungen der jeweiligen Norm entsprechen. Diese sogenannte Gap Analyse für die ISO Zertifizierung zeigt, welche Anforderungen bereits erfüllt sind und wo noch Anpassungen notwendig sind.

Analyse der bestehenden Prozesse

Im ersten Schritt werden die aktuellen Abläufe im Unternehmen bewertet. Dabei wird untersucht, wie Prozesse organisiert sind und welche Dokumentationen bereits vorhanden sind. Dazu gehört auch die Prüfung, ob bereits ein Managementsystem existiert, beispielsweise ein Qualitätsmanagementsystem nach ISO 9001 oder andere strukturierte Prozessregelungen.

Typische Lücken zur Norm erkennen

In vielen Unternehmen funktionieren Prozesse im Alltag bereits gut, erfüllen jedoch nicht vollständig die formalen Anforderungen einer Norm. Genau hier setzt die Gap-Analyse an: Sie identifiziert typische Lücken zwischen den bestehenden Abläufen und den Zertifizierungsanforderungen. Häufige Beispiele sind fehlende oder unvollständig dokumentierte Prozesse, keine formale werkseigene Produktionskontrolle (WPK) oder unvollständige Schweißdokumentation.

Schritt 3: Aufbau des Managementsystems und der Dokumentation

Nachdem die Gap-Analyse abgeschlossen ist, folgt der Aufbau oder die Anpassung des erforderlichen Managementsystems. In dieser Phase werden die Prozesse so strukturiert, dass sie den Anforderungen der jeweiligen Norm entsprechen.

Einführung eines Managementsystems

Das Managementsystem bildet die organisatorische Grundlage für die spätere Zertifizierung. Ein ISO 9001 Qualitätsmanagementsystem sorgt beispielsweise dafür, dass Prozesse im Unternehmen nachvollziehbar strukturiert und kontinuierlich verbessert werden.

Ein wichtiger Bestandteil jeder Zertifizierung ist die strukturierte Dokumentation der Prozesse. Typische Beispiele sind:

  • QM-Handbuch zur Beschreibung des Managementsystems
  • Prozessbeschreibungen für zentrale Unternehmensabläufe
  • Verfahrensanweisungen für spezifische Tätigkeiten
  • Schweißanweisungen (WPS/WPQR) im Rahmen der ISO 3834
  • Prüf- und Inspektionspläne zur Sicherstellung der Produktqualität

Schritt 4: Implementierung im operativen Betrieb

Nachdem das Managementsystem aufgebaut und dokumentiert wurde, folgt die Umsetzung im täglichen Betrieb. Die definierten Prozesse müssen nun in Produktion, Organisation und Qualitätsmanagement integriert werden.

Mitarbeiter müssen verstehen, welche Anforderungen gelten und wie diese im Arbeitsalltag umgesetzt werden. Deshalb gehört auch die Schulung von Mitarbeitern und verantwortlichen Personen zu dieser Phase.

Interne Audits und Managementbewertung durchführen

Bevor das offizielle Zertifizierungsaudit stattfindet, sollte das Managementsystem intern überprüft werden. Ein internes Audit nach ISO 9001 hilft dabei festzustellen, ob die definierten Prozesse eingehalten werden und ob das System wirksam funktioniert. Zusätzlich bewertet die Unternehmensleitung im Rahmen einer Managementbewertung, ob das Managementsystem seine Ziele erfüllt.

Schritt 5: Auswahl der richtigen Zertifizierungsstelle

Für die eigentliche Zertifizierung muss ein Unternehmen eine geeignete Zertifizierungsstelle auswählen. Dabei ist entscheidend, dass die Stelle für die jeweilige Norm akkreditiert oder bei regulierten Produkten offiziell notifiziert ist (Notified Bodies / NoBo für EN 1090).

Sobald eine passende Zertifizierungsstelle gefunden wurde, wird in der Regel ein Angebot eingeholt und die Audittermine geplant.

Schritt 6: Das Zertifizierungsaudit – Ablauf und Anforderungen

Das Audit besteht in der Regel aus zwei Teilen: der Dokumentenprüfung und dem Vor-Ort-Audit. Zu Beginn prüfen die Auditoren die vorhandene Systemdokumentation auf Vollständigkeit. Im Vor-Ort-Audit besuchen die Auditoren das Unternehmen und überprüfen die praktische Umsetzung der Prozesse in der Werkstatt oder im Büro.

Schritt 7: Zertifikat erhalten

Nach Abschluss des Zertifizierungsaudits erstellt die Zertifizierungsstelle einen Auditbericht. Wenn das Audit erfolgreich abgeschlossen wurde und keine wesentlichen Abweichungen vorliegen, erfolgt die Ausstellung des Zertifikats. Dieses bestätigt offiziell, dass das Unternehmen die Anforderungen erfüllt. In der Regel ist ein Zertifikat für drei Jahre gültig.

Schritt 8: Überwachungsaudits und Rezertifizierung

Um sicherzustellen, dass die Anforderungen dauerhaft eingehalten werden, führen Zertifizierungsstellen regelmäßig Überwachungsaudits durch (meist jährlich). Nach drei Jahren muss eine Rezertifizierung erfolgen, um die Gültigkeit des Zertifikats zu verlängern.

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Häufige Fragen zur Zertifizierung


Um ein Unternehmen zertifizieren zu lassen, müssen zunächst die relevanten Normen identifiziert werden, zum Beispiel ISO 9001, EN 1090 oder ISO 3834. Anschließend folgt eine Gap-Analyse, der Aufbau eines Managementsystems, interne Audits und schließlich das Zertifizierungsaudit durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle.

Die Dauer hängt von der Unternehmensgröße, der vorhandenen Dokumentation und der gewählten Norm ab. In vielen Fällen dauert die Vorbereitung auf eine Zertifizierung etwa vier bis acht Wochen, bevor das eigentliche Zertifizierungsaudit durchgeführt wird.

Die Kosten einer Unternehmenszertifizierung setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen: Vorbereitung des Managementsystems, interne Ressourcen, Beratungskosten sowie die Gebühren der Zertifizierungsstelle für Audit und Zertifikat. Je nach Norm und Unternehmensgröße können die Kosten deutlich variieren.

Welche Zertifizierung erforderlich ist, hängt von Branche, Produkten und gesetzlichen Anforderungen ab. Häufige Standards sind ISO 9001 für Qualitätsmanagement, EN 1090 für tragende Stahl- und Aluminiumbauteile sowie ISO 3834 für schweißtechnische Qualitätsanforderungen.

Zur Vorbereitung gehören eine Gap-Analyse der bestehenden Prozesse, der Aufbau eines normgerechten Managementsystems, die vollständige Dokumentation der Abläufe sowie interne Audits. Diese Schritte stellen sicher, dass das Unternehmen auditbereit ist.

Eine Zertifizierung darf nur von akkreditierten Zertifizierungsstellen durchgeführt werden. In regulierten Bereichen wie EN 1090 oder der Druckgeräterichtlinie sind zusätzlich sogenannte notifizierte Stellen (Notified Bodies) erforderlich.

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